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Themen

Mitarbeiter-Beteiligung

 
"Formel für gute Teamarbeit:  1 + 1 = 3"
(Siegfried Vögele)

Die Mitarbeiterbeteiligung ist einer der zentralen Begriffe der Verwaltungsreform. 

Es lassen sich zwei Perspektiven unterscheiden: Zum einen Mitarbeiterbeteiligung als formelle Beteiligungsrechte und zum anderen Mitarbeiterbeteiligung nach dem Engagement und der Übernahme von Verantwortung durch die Beschäftigten.

Formelle Beteiligungsrechte lassen sich relativ einfach in entsprechende Regelwerke "gießen" - Rahmenvereinbarungen als auch das Personalvertretungsgesetz seien hier genannt.

Die zweite Perspektive ist schwieriger zu realisieren und hängt in starkem Maße von den Rahmenbedingungen und Inhalten der Verwaltungsmodernisierung wie auch von den konkreten Führungsstilen ab. Im Rahmen der traditionellen, "klassischen" Verwaltung mit ihren Hierarchien, ausdifferenzierten Arbeitsteilungen und Zuständigkeiten, mit ihren Laufbahn- und Lebensalterkarrieren statt Leistungskarrieren sind die Anreizmöglichkeiten für die Entwicklung von Mitarbeitermotivation gering: "Ob ich mich mehr oder weniger engagiere - dies ändert für mich nichts." Der bisherige traditionelle öffentliche Dienst hat in großem Umfang Eigeninitiative der Beschäftigten verschüttet.

Das Kommunalwissenschaftliche Institut der Universität Potsdam führt daher u.a. folgende zentrale Elemente für die Entwicklung einer engagierten Mitarbeiterbeteiligung auf:

So reichen die Beteiligungsmodelle in der Praxis von Befragungen der Mitarbeiter (schriftliche Befragungen und Interviews zu speziellen Themen, Führungs-Feedback, interne Kundenbefragungen etc.) über die Arbeit in Qualitätszirkeln und Projektgruppen bis hin zu Instrumenten wie Zielvereinbarungen,  Mitarbeitergesprächen, Leistungsbewertungen etc.

Mitarbeiterbefragungen sind oftmals der Startpunkt der Beteiligungsprozesse. Im Sinne einer Bestandsaufnahme geben sie, in sehr ökonomischer Weise, die Möglichkeit ein Querschnittsbild der Einschätzungen, Meinungen und Veränderungsbedarfe der Beschäftigten zu beschreiben. (Die technischen Aspekte der Umsetzung einer Mitarbeiterbefragung, also die Durchführung von Befragungen, einen Fragenkatalog und Gestaltungsrichtlinien für den Entwurf eines Fragebogens  sind im  Menüpunkt "Themen" unter "Methoden" Stichwort "Befragung" aufgeführt).

Während quantitativ ausgelegte Mitarbeiterbefragungen die Möglichkeit geben, die gesamte Belegschaft breit einzubeziehen, ist an der Qualitätszirkel- und Projektgruppenarbeit meist nur ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt beteiligt. Dafür ermöglichen sie jedoch die qualitative Vertiefung der quantitativen Daten: Diskussion, Austausch zu Problemanalysen und Lösungsfindung. Unterschieden werden kann zwischen

Gesamtprojekte und die Verknüpfung verschiedener Projektgruppen erfordern ein gut durchdachtes Projektmanagement, um letztlich die erarbeiteten Ideen auch in die Praxis umsetzen zu können. Erfolg und Akzeptanz der Projektgruppenarbeit beruhen auf der Zusammensetzung der Projektgruppe, deren Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen und der Umsetzung in sichtbare Resultate/Ergebnisse.

Gerade im Hinblick auf die Umsetzung in die Praxis betont auch Kißler kritisch: 

"Die neuen Partizipationsmodelle sind parallel zur Arbeit organisiert. Das Beteiligungshandeln und das Arbeitshandeln fallen auseinander. Beteiligungsbereitschaft und –kompetenz im Rahmen von parallel zur Arbeit organisierten Verfahren werden zur Quelle von Demotivation und Frustration, wenn sich die Beteiligung an der Arbeitsgestaltung nicht in der Arbeitsorganisation fortsetzt." (Kißler, 1995)


Schließlich muss betont werden, dass Beteiligungsmodelle bestimmte Fähigkeiten und Einstellungen erfordern. Projektgruppenarbeit erfordert beispielsweise Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenzen, eigenverantwortliches Handeln der Beschäftigten kann z.B. hierarchieorientierte Führungsmodelle in Frage stellen. Die Beteiligung, die Einbindung von Mitarbeitern wird so zur originären Führungsaufgabe. Diese Fähigkeiten und Einstellungen zu erwerben, ist Ziel und Aufgabe des Beteiligungsprozesses zugleich. Modelle der Mitarbeiterorientierung sind in diesem Sinne organisatorische Lernprozesse (s.a. Personalentwicklung, Fortbildung).


Weiterführende Begriffe:
dezentrale Ressourcenverantwortung Empowerment Führung Organisationsentwicklung

Literatur:
Kißler, Leo (1995). Modernisierung des öffentlichen Dienstes durch Partizipation? Risiken und Chancen von Beschäftigtenbeteiligung in der Kommunalverwaltung. In: WSI-Mitteilungen (5), S. 317-323.

Stöbe-Blossey, Sybille (2001). Mitarbeiterbeteiligung. In: Blanke, Bernhard/ von Bandemer, Stephan/ Nullmeier, Frank/ Wewer, Göttrik (Hg.): Handbuch zur Verwaltungsreform. Leske + Budrich, Opladen. S. 164-173.

 

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