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Organisationsstruktur und -entwicklung

 "Die Bürokratie ist ein gigantischer Mechanismus, der von Zwergen bedient wird."

(Honoré des Balzac)
 
Die Struktur einer Organisation ist die Grundlage für die Zusammenarbeit der in ihr tätigen Menschen. Die Ursache der Strukturierung liegt vor allem in der Arbeitsteilung innerhalb der Organisation, die zu einer effizienteren Zielerreichung führen soll.

Man unterscheidet zwischen der formalen Organisationsstruktur, wie sie üblicherweise in Organigrammen festgehalten ist, und der informellen Organisationsstruktur. Die informellen Strukturen beinhalten die sozialen Interaktionen und Beziehungen der Organisationsmitglieder, dazu gehören Rollendefinitionen, Handlungsmuster und Verhaltenserwartungen etc., die das Miteinander strukturieren.

Durch das Neue Steuerungsmodell soll

"die traditionell zentralistische, hoch arbeitsteilige und durchhierarchisierte Verwaltungsorganisation (.) in eine produktorientierte und im Rahmen von Zielvereinbarungen weitgehend autonome, dezentral gegliederte Organisation umgebaut werden." (Bogumil/Kißler 1997, S. 9)

Die Umstrukturierung der Verwaltungen orientiert sich an unterschiedlichen Aspekten (Produktorganisation, Kundenorientierung, Dezentrale Verantwortungsorganisation, Wissensorganisation, lernende Organisation etc.), sie zeigt sich nach außen an einer Umwandlung der Kernverwaltung in Fachbereiche, Fachdienste bzw. dezentralen Produktzentren.

Die Umstrukturierung einer Organisation wird häufig mit einer Organisationsentwicklung im Sinne einer umfassenden Reorganisation gleichgesetzt. Organisationsentwicklung beinhaltet jedoch einen viel tieferen Veränderungsprozess.

Definition:

"Organisationsentwicklung ist ein längerfristig angelegter organisationsumfassender Veränderungsprozess von Organisationen und den in ihnen tätigen Menschen." (Gesellschaft für Organisationsentwicklung)

Organisationsentwicklungsprozesse sind nicht kurzfristig abhandelbar, sie sind ein stetiger Prozess und beanspruchen in der ersten Umsetzungsphase etwa zwei bis drei Jahre. Die Ganzheitlichkeit des Vorgehens umfasst eben nicht nur die Aufbau- und Ablauforganisation, sondern auch Führungsfragen, Kommunikationsstrukturen, Konflikthandhabung etc.Wichtig bei der Organisationsentwicklung ist die Beteiligung der Mitarbeiter/innen am Entwicklungsprozess.Hierdurch werden die Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter/innen einbezogen und die Mitwirkung fördert die Motivation und die Akzeptanz der Ergebnisse. Die Mitarbeiter/innen verstehen die Zusammenhänge besser und entwickeln ein neues Engagement und eine neue Identifikation mit der Arbeit.

Es werden vier Hauptziele mit einem Organisationsentwicklungs-Prozess in der Verwaltung angestrebt (nach Paul, G. 1997):

  1. Die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zum Wohle der Bürger/innen und von Wirtschaft und Gesellschaft zu verbessern.
  2. Die Arbeitsverhältnisse und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter/innen zu verbessern.
  3. Betroffene zu Beteiligten zu machen und möglichst viele Mitarbeiter/innen am Prozess zu beteiligen.
  4. Lernprozesse in Richtung Hilfe zur Selbsthilfe auf Dauer zu verankern.

Diese vier Ziele stehen gleichberechtigt nebeneinander. Ein Organisationsentwicklungs-Prozess ist erfolgreich, wenn er in allen vier Zielbereichen zu Verbesserungen führt.

Ein Organisationsentwicklungs-Prozess verfolgt das Ziel, die Arbeits- und Führungsverhältnisse zu verbessern, eine aufgaben- und menschengerechte Organisation zu schaffen sowie die Leistung und Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen zu fördern.

Letztendlich kann ein gelungener Organisationsentwicklungsprozess zur lernenden Organisation führen, in der die Organisationsmitglieder selbständig zu Tage getretene Probleme analysieren und gemeinsam nach Ursachen und Lösungen suchen.

Verwandte Begriffe:
Lernende Organisation • Organigramm • formale Organisationsstruktur • informelle Organisationsstruktur • Organisationsformen • Verwaltungsstrukturreform 

Literatur:
Bogumil, Jörg und Kißler, Leo (1997): Risiken und Chancen eines Neuen Steuerungsmodells für die lokale Demokratie.

Büschges, Günter und Abraham, Martin (1997): Einführung in die Organisationssoziologie. Teubner, Stuttgart

Hill, Prof. Dr. Hermann (1997): Neue Organisationsformen in der Staats- und Kommunalverwaltung. In: Schmidt-Aßmann, E./ Hoffmann-Riem, W. (Hrsg.): Verwaltungsorganisationsrecht als Steuerungsressource. Baden-Baden, S. 65ff.

Paul, Günter (1997): Organisationsentwicklung. Verwaltungen helfen sich selbst. Richard Boorberg Verlag, Stuttgart et al.

Paul, Günter Dr. (2000): "Organisationsentwicklung (OE) und lernende Organisationen." In: Zeitschrift transfer. Hrsg. Koordinierungsstelle für Verwaltungsreform der Verwaltungsfachhochschule Altenholz. Jg. 5,1, Dezember 2000, S. 4-6.

Weiterführende Links und Materialien zur Organisationsstruktur und -entwicklung

  • Beitrag von Dr. Günter Paul in der Zeitschrift transfer zum Thema "Organisationsentwicklung (OE) und lernende Organisation."
    >>> weiter

 

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