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Themen

Zusammenarbeit Haupt-/Ehrenamt

 
"Erst wenn über das Grundsätzliche Einigkeit besteht, ist es sinnvoll, miteinander Pläne zu schmieden."
                                                                                      (Konfuzius)
Für die kommunale Selbstverwaltung ist ehrenamtliche Tätigkeit und bürgerschaftliches Engagement unverzichtbar. Die Möglichkeiten und Formen des bürgerschaftlichen Engagements und der Bürgerbeteiligung sind vielfältig:

Ohne die Mitwirkung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger im klassischen Ehrenamt könnten viele kommunale und öffentliche Aufgaben gar nicht geleistet werden. Im Gegensatz zur Bürgerarbeit wird Bürgerengagement als "unentgeltlich, am Gemeinwohl orientiert und freiwillig" definiert (Bürsch 2002: S. 28)

Ehrenamtliches Engagement ist

In Schleswig-Holstein gibt es 1029 ehrenamtlich geleitete Gemeinden, die über keine eigene Verwaltung verfügen (Stand: 2003). In vielen Kommunen arbeiten Ehrenamt und Hauptamt miteinander zusammen. Insbesondere im ländlichen Raum und in kleinen Verwaltungseinheiten basiert die Verwaltung häufig auf beiden Säulen, dem Hauptamt und dem Ehrenamt. Bei Umstrukturierungs- und Modernisierungsprozessen müssen deshalb sowohl das Haupt- als auch das Ehrenamt einbezogen werden.

Bei Modernisierungsprozessen besteht die Gefahr, dass es zwischen Haupt- und Ehrenamt zu einer verstärkten Polarisierung kommt. Wenn nämlich das Ehrenamt bei der Einführung von Budgetierung, Zielvereinbarungen oder der Verwirklichung von mehr Bürgernähe "draußen" bleibt, dann wird das Ehrenamt in seiner Bedeutung geschwächt. Verwaltungsmodernisierung muss aber ganzheitlich betrachtet werden und hat nur dann Erfolg, wenn ein neues Selbstverständnis sowie eine dezentrale Neugliederung der Verantwortungsbereiche in beiden Bereichen erfolgt.

Es hat sich gezeigt, dass eine gemeinsame Schulung von Haupt- und Ehrenamt für den Erfolg von Modernisierungsvorhaben wichtig ist:

"Die gegenseitige Wertschätzung und die Entwicklung des 'Wir-Gefühls', die Bereitschaft zur Formulierung gemeinsamer Ziele, die Intensivierung des persönlichen Kontaktes (...), die Selbstverständlichkeit von verbindlichen Absprachen (Kontrakte: wer macht was bis wann?) wäre ohne die gemeinsame Schulung unvorstellbar gewesen; Akzeptanz entsteht durch Nähe!"

(Hagedorn 2001: S. 191)

Ehrenamt und Hauptamt ergänzen sich gegenseitig, ihre Aufgaben sind nach dem Prinzip "soviel Ehrenamt wie möglich, soviel Hauptamt wie nötig" auszuloten.

Die Bedeutung des Ehrenamtes wird zukünftig zunehmen, denn zur Zeit verändert sich das Verhältnis von Staat und Bürger ganz erheblich. Die Rolle des (Gemeinde-/Stadt-) Rates als repräsentative Vertretung der Bürgerschaft wird zunehmend in Frage gestellt. Die Beteiligung an Kommunalwahlen geht ständig zurück.

Auf der anderen Seite vertreten Bürgerinnen und Bürger engagiert ihre Interessen, sie wollen an bestimmten kommunalen Entscheidungen mitwirken und besser noch: mitentscheiden. Der Wunsch nach Beteiligung ist besonders dann groß, wenn Menschen von Entscheidungen direkt betroffen sind, wenn sie die Situation vor Ort gut kennen und wenn die Verhältnisse in ihren Zusammenhängen überschaubar sind. Die Kommunen und ihre Verwaltungen bieten hierfür direktere und offenere Möglichkeiten an als staatliche Verwaltungen, sie sind Partner vor Ort, wenn es darum geht, die Bürger/innen zu beteiligen und ihr Engagement zu fördern.

Der Bürgerbeteiligung kommt im Rahmen der lokalen Agenda 21-Prozesse eine besondere Bedeutung zu. Der lokale Agenda 21-Prozess ist ein partizipatorischer Prozess, an dem sich die Bürgerinnen und Bürger aller gesellschaftlichen Kräfte und Gruppen aktiv an der Diskussion über Leitbilder, Entwicklungen, Werte und Weichenstellungen und an deren Umsetzung beteiligen sollen. Die Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine und Organisationen entwickeln gemeinsam mit ihrer Stadt-/Gemeindeverwaltung ein Aktionsprogramm, um eine ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvolle Entwicklung in ihrer Kommune zu fördern.

Verwandte Begriffe:
Bürgergesellschaft • Zivilgesellschaft • Bürgerbeteiligung • Partizipation • lokaler Agenda 21-Prozess

Literatur:
Bürsch, Michael (2002): "Der Wunsch, mitzubestimmen, ist sehr stark." In: Zeitschrift "Mitbestimmung", Magazin der Hans Böckler Stiftung, September/2002, S. 26-28.

Hagedorn, Bettina (2001): "Die Rolle des Ehrenamtes in der Verwaltungsmodernisierung." In: Die Gemeinde. Zeitschrift für die kommunale Selbstverwaltung in Schleswig-Holstein. Hrsg: Schleswig-Holsteinischer Gemeindetag. Heft 7-8, Jg. 53, S. 190 -192.

Pressemitteilung des SHGT (2002): "Schleswig-Holsteinischer Gemeindetag fordert die Stärkung des Ehrenamtes." In: Die Gemeinde. Zeitschrift für die kommunale Selbstverwaltung in Schleswig-Holstein. Hrsg: Schleswig-Holsteinischer Gemeindetag. Heft 5, Jg. 54, S. 136 -137.

Witte, Gertrud (2002): "Bürgerbeteiligung: entscheidend für die Zukunft der Städte." In: Zeitschrift "Die neue Verwaltung" 2/2002, S. 8-11

Weiterführende Links und Materialien zur Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt:

Agenda 21 in Schleswig-Holstein:

www.umwelt.schleswig-holstein.de/servlet/is/136/

 

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