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Budgetierung

"Die Phönizier haben das Geld erfunden - aber warum nur so wenig?"

(Johann Nestroy)

Budget ist der international übliche Begriff für Haushalt. In betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise ist ein Budget allgemein

"... ein in wertmäßigen Größen formulierter Plan, der einer Entscheidungseinheit für eine bestimmte Zeitperiode mit einem bestimmten Verbindlichkeitsgrad vorgegeben wird."
(Wewer 2001, S. 322)

Budgetierung bedeutet zunächst nichts anderes als den Prozess der Budgeterstellung. Auf die Verwaltungsmodernisierung übertragen wird unter Budgetierung ein neues Verfahren der Haushaltsaufstellung und Ressourcenzuweisung verstanden, d.h. Budgetierung bedeutet "dezentrale Ressourcenverantwortung mit bedarfgerechtem, in zeitlicher und sachlicher Hinsicht selbstbestimmten Mitteleinsatz." (ebda)

Ein Hauptziel der Verwaltungsmodernisierung ist es, beim Umgang mit finanziellen Mitteln das Wirtschaftlichkeitsprinzip in den Vordergrund zu stellen.Mit dem Instrument der Budgetierung übernehmen nicht mehr die Querschnittsämter, sondern die unteren Ebenen zusätzlich zur Fach- nun auch die Finanzverantwortung für ihren Bereich. Hierfür werden mehrere oder alle Haushaltsstellen einzelner Organisationseinheiten zu einem Globalhaushalt zusammengefasst. Innerhalb eines vorgegebenen Finanz-rahmens erfolgt eine eigenverantwortliche Erledigung der festgelegten Aufgaben durch die unteren Verwaltungseinheiten.

Das "Ob" einer Verwaltungsleistung bleibt weiterhin vorgegeben, aber das "Wie", also die Art und Weise der Aufgabenerledigung sowie die Höhe der im Einzelfall eingesetzten Finanzmittel bleibt den dezentralen Verwaltungseinheiten überlassen.

Mit der Budgetierung gehen zwei haushaltsrechtliche Flexibilisierungen einher:

  1. Mit der Einführung der gegenseitigen Deckungsfähigkeit können Mehrausgaben auf der einen Seite durch Mitteleinsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden.
  2. Durch die zeitliche Übertragung von Haushaltsresten auf das Folgejahr wird das bis dato weit verbreitete "Dezemberfieber" unterbunden, bei dem kurz vor Ende des Haushaltsjahres nicht benötigte Finanzmittel nur deshalb ausgegeben wurden, um deren Verfall zu vermeiden.

Man unterscheidet zwischen der input-orientierten Budgetierung, wonach Ressorts, Behörden oder Ämtern bestimmte Haushaltsmittel pauschal zur Verfügung gestellt werden, und der output-orientierten Budgetierung, bei der die Zuweisung der Mittel an ganz bestimmte Produkte und deren Menge und Qualität ausgerichtet wird.

Die Vorteile der Budgetierung liegen insbesondere in folgenden Aspekten:

ØDa die Fachressorts oder die Fachbereiche in die Verantwortung für den Haushaltsausgleich einbezogen sind, ist gewährleistet, dass das insgesamt zur Verfügung stehende Finanzvolumen nicht überschritten wird.

ØDie Aufstellung und Beratung des Haushalts beansprucht bei klaren Budgetvorgaben deutlich weniger Zeitaufwand.

ØAlle Aktivitäten innerhalb einer Verwaltung lassen sich mit aufeinander abgestimmten Budgets auf das Gesamtziel "Erfolg" ausrichten.

ØDie Budgetierung unterstützt erheblich die Durchsetzung der Pläne.

ØDurch die Vorgabe des Budgets kann der Erfolgsbeitrag eines jeden Verantwortlichen definiert werden. Die Einhaltung von Budgetvorgaben wird vielfach mit Anreizsystemen verknüpft.

ØDie Budgetierung setzt auf die Kompetenz und die Verantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden und Ämtern. Im Rahmen der Budgets können sie weitgehend selbständig ihre Einzelansätze festlegen.

ØMit der Zusammenführung von Ressourcen- und Fachverantwor-tung ergibt sich eine stärkere Motivation für einen effektiven und effizienten Mitteleinsatz.


Die Budgetierung ist ein unverzichtbares Instrument des Neuen Steuerungsmodells:

"Wo die Modernisierung der Verwaltungen fortschreitet, kommt früher oder später auch die Budgetierung. Wo mit einer Budgetierung angefangen wird, kommt man früher oder später auch zu Produkten, Kosten- und Leistungsrechnung und zu Controlling."
(Wewer 2001, S. 327)

Verwandte Begriffe:
Haushalt • Etat • Finanzen • dezentrale Ressourcenverantwortung • eigenverantwortliche Bewirtschaftung • Dezemberfieber • gegenseitige Deckungsfähigkeit • Übertragbarkeit von Haushaltsresten •

Literatur:
Wewer, Göttrik (2001): Globalisierung, Flexibilisierung, Budgetierung.

In: von Bandemer, Stephan/ Blanke, Bernhard/ Nullmeier, Frank/ Wewer, Göttrik (Hrsg.): Handbuch zur Verwaltungs-Reform. Leske + Budrich, Opladen. S. 322-329

Wommelsdorff, Jörn (1999): Grundzüge der Verwaltungsmodernisierung. In: Praxis der Gemeindeverwaltung. B18, Januar 1999

 

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